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Historische österreichische Zeitungen und Zeitschriften online

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19. Juni 1933

Das Handgranatenattentat auf die Hilfspolizei in Krems. Ausschnitt aus dem Neuigkeits Welt Blatt. 22. Juni 133, S. 1. ANNO/ÖNB.

Bei Krems werden bei der Heimkehr von einer Waffenübung dreißig Hilfspolizisten Opfer eines Anschlags mit Handgranaten. Dieser Vorfall ist nur einer in einer ganzen Reihe unterschiedlicher Anschläge im Österreich des Frühjahrs 1933. Die Arbeiter Zeitung analysiert die Beweggründe der Täter folgendermaßen: Die Hitler-Regierung will Oesterreich kirre machen, um uns zur Kapitulation der Regierungsmacht an die Nazi zu zwingen. Zu diesem Zwecke hat sie die Fremdenverkehrssperre über Oesterreich verhängt. Und weiter: Oesterreich hat sich darauf bemüht, Fremde aus anderen Ländern anzuziehen, damit sie die deutschen Touristen ersetzen. Darauf antworten die Nazi mit der Terrorwelle.

Das Geständnis des Täters von Krems, des 21-jährigen Herbert Mosel, erfolgt am frühen Morgen des 20. Juni 1933. Hierüber berichtet das Österreichische Abendblatt: Um 7 Uhr früh legte Mosel bereits ein umfassendes Geständnis ab. Seine Verhaftung war sehr dramatisch gewesen. Er selbst war durch herumfliegende Sprengstücke verletzt worden, konnte aber noch rechtzeitig in den Wald flüchten. Erst am nächsten Morgen wurde er auf offener Straße festgenommen.

Der Anschlag auf die Hilfspolizei führt noch am Abend des 19. Juni zur Einberufung des Ministerrats durch Bundeskanzler Dollfuß. Im Anschluss an die Ministerratssitzung spricht Schuschnigg das Verbot der NSDAP im Radio aus, wie die Linzer Tages-Post berichtet. Schuschnigg bezieht sich hier nicht nur auf das Granatenattentat in Krems, sondern auch auf Anschläge in Wien in den Tagen zuvor: Die Polizeibehörde mußte leider berichten, daß die Untersuchung einwandfrei erwiesen hat, daß die bekannten letzten Sprengstoffattentate im Bereiche des Wiener Polizeirayons durch Täter gesetzt wurden, welche der nationalsozialistischen Partei und deren Schutzstaffeln [...] angehören. Außerdem drucken viele Tageszeitungen den Wortlaut der Verordnung zum Verbot der NSDAP ab, so auch die Neue Freie Presse: Der nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei wird jede Betätigung in Oesterreich und insbesondere auch die Bildung irgendwelcher Parteiorganisationen verboten. Die bestehenden Sturmabteilungen und Schutzstaffeln [...] sind unstatthaft, das Tragen jedweder Parteiabzeichen verboten.

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