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Historische österreichische Zeitungen und Zeitschriften online

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1. September 1796

Tiere in Flammen

Bildquelle: Die Hetze. Anton Stutzinger (um 1850). Federzeichnung. ÖNB Kartensammlung und Globenmuseum. Signatur: KAR0500246

Am 1. September 1796 verbrannte das Wiener Hetzamphitheater "unter dem entsetzlichen Gebrülle" der darin befindlichen Tiere, um nie wieder nachgebaut zu werden (vgl. Wiener Zeitung, 3. September 1796, S. 3).

Seit 1755 konnten sich die Wiener in dem prächtigen Holzgebäude des Wiener Hetzamphitheaters blutige Tiergefechte ansehen. Der Errichter des Hetzamphitheaters, Monsineur Defraine, wurde 1877 im Fortsetzungsroman "Die schwarze Bank, oder ein Schwindler von hundert Jahren" als ein "leichtfüßiger Franzose, und ein unternehmender Mann" beschrieben, "der von Paris nach Wien gekommen war und das Amphitheater unter den Weißgärbern gebaut hatte" ((Neuigkeits) Welt Blatt, 18. November 1877, S. 7).

Die Kämpfe der Löwen, Panther, Ochsen, Wildschweine und Hunde waren eine Attraktion für alle Wiener – von dem gemeinen Volk bis zum Kaiser. In der Mitte des Theaters befanden sich ein Bassin und ein Steigbaum. Die Tiere wurden durch große Türe zur Hetze eingelassen. Die Galerien konnten bis zu 3000 Zuschauer aufnehmen. Die Vorstellungen fanden sonntags und an Feiertagen statt (vgl. Die Gegenwart. Politisch-literarisches Tagblatt, 5. August 1847, S. 1).

In den goldenen Zeiten des Hetzamphitheaters wurden Tierkämpfe möglichst einfallsreich gestaltet, wie in der Wiener Zeitung aus dem Jahr 1775 zu lesen ist (vgl. Wiener Zeitung, 12. August 1775, S.21). Später geriet das Hetztheater in eine Krise. Um 1781 tauchten Pamphlets auf, die von ausgelaugten Tieren berichteten, die einen traurigen Anblick boten. Eine detaillierte Geschichte des Hetzamphitheaters wurde ca. 100 Jahre nach dem Brand aus bis dahin unveröffentlichten Akten zusammengestellt und in der Neuen Freien Presse veröffentlicht (vgl. Neue Freie Presse, 25. Januar 1895, S. 3).

Während die meisten Kritiker der Tierkämpfe zurzeit des Hetzamphitheaters über einen "widrigen Geruch" klagten (vgl. Blätter für Musik, Theater und Kunst, 21. September 1866, S. 1), schrieben die späteren Zeitungen über die Hetze unter dem Aspekt der Tierquälerei: "Das Auftreten des Thierschutzvereines in Wien erinnert uns, daß in derselben Stadt kaum fünfzig Jahre früher eine Hetze […] ein vollständiges, mit einem bedeutenden Personale und nicht unbedeutender Dotazion versehenes Institut zur Erlustigung des Volkes durch das Hetzen und Zerreisen wilder Thiere aller Gattungen befand. – So sehr haben sich die Richtungen des Zeitgeistes geändert, so mächtig war der Einfluß der Presse, so unwiderstehlich ist die stille Gewalt der fortschreitenden Bildung" (Die Gegenwart. Politisch-literarisches Tagblatt, 5. August 1847, S. 1)

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